Nationalrat spricht sich für Klimanotstand aus

OTS0002, 26. Sep. 2019, 00:30
Nationalrat spricht sich nach folgendem Antrag für den Klimanotstand aus:

Entschließung des Nationalrates vom 25. September 2019 betreffend Erklärung des Climate Emergency.
Die Bundesregierung wird aufgefordert,
● den Climate Emergency zu erklären und damit die Eindämmung der Klima- und Umweltkrise und ihrer schwerwiegenden Folgen als Aufgabe höchster Priorität anzuerkennen.
● zusätzlich zu den Veröffentlichungen österreichischer gesetzlicher Institutionen die wissenschaftli-chen Berichte des „Intergovernmental Panel on Climate Change“ (IPCC), des „Austrian Panel on Climate Change“ (APCC) und der „Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services“ (IPBES) als sachliche Grundlage für zukünftige Klima- und Umweltpolitik heranzuziehen,
● und darauf aufbauend im Rahmen der Nachbesserung des Nationalen Energie- und Klimaplans (NEKP) umgehend Maßnahmen vorzubereiten, welche den Ausstoß von Treibhausgasen ohne Ein-satz von risikoreichen Kompensationstechnologien und ohne Ankauf von Emissions-Zertifikaten nachweislich verringern. Ziel soll es sein, die Emissionen ehestmöglich, doch noch vor Mitte des Jahrhunderts, und sozial verträglich über die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens hinaus auf Netto-Null zu reduzieren, um Österreichs angemessenen Beitrag zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5°C zu leisten.
●bei zukünftigen Entscheidungen auch stets die Auswirkungen auf das Klima und den Klimaschutz feststellen zu lassen, transparent und nachvollziehbar darzustellen und zu berücksichtigen.
●zu Fortschritten und Schwierigkeiten bei der Emissions-Reduktion im Speziellen, sowie beim Kli-ma- und Umweltschutz im Allgemeinen, dem Nationalrat und der Öffentlichkeit das halbjährliche Protokoll des Klimaschutzkomitees vorlegen zu lassen.
● die österreichische Bevölkerung über alle öffentlichen Kanäle umfassend und beständig über die Klima- und Umweltkrise, ihre Ursachen und Auswirkungen sowie über die Maßnahmen, welche ge-gen diese ergriffen werden, zu informieren.
● sich auf EU- und internationaler Ebene für die Erreichung des 1,5°C-Ziels politisch einzusetzen, entsprechende Maßnahmen zum Klima- und Umweltschutz auch von anderen Ländern einzufordern, sich für Erneuerbare Energien und gegen Energiegewinnung mittels Kernspaltung auszusprechen, sowie die Erfüllung des globalen Ziels durch den eigenen angemessenen Beitrag von Österreich zur Treibhausgasreduktion voranzutreiben.
●bei der Umsetzung entsprechender Maßnahmen mit den Bundesländern und Gemeinden zu kooperieren und sich mit diesen abzustimmen.

www.parlament.gv.at

OTS0002, 26. Sep. 2019, 00:30
Nationalrat spricht sich für Klimanotstand aus:
Der Vier-Parteien-Antrag wurde ohne Stimmen der FPÖ angenommen.
Wien (PK) – In einem gemeinsamen Entschließungsantrag, der heute im Nationalrat debattiert wurde, fordern ÖVP, SPÖ, NEOS und JETZT von der Bundesregierung, einen „Climate Emergency“ auszurufen. Damit soll der Eindämmung der Klimaund Umweltkrise höchste Priorität zuerkannt werden. Den InitiatorInnen geht es bei ihrem Appell auch darum, im Rahmen der Nachbesserungen zum Nationalen Klima- und Energieplan Maßnahmen vorzubereiten, die den Ausstoß von Treibhausgasen ohne Einsatz risikoreicher Kompensationstechnologien und ohne Ankauf von Emissions-Zertifikaten verringern. Ziel muss die im Pariser Klimaschutzabkommen vereinbarte Klimaneutralität sein, betonten die Abgeordneten der vier Fraktionen in der Plenardebatte. Der Antrag fand schließlich die Zustimmung aller Fraktionen mit Ausnahme der
FPÖ.
Klimaschutz erhält oberste Priorität. Der Antrag zur Ausrufung des „Climate Emergency“ richte sich nicht nur an die derzeitige, sondern auch an die künftigen Bundesregierungen, sagte Klaus Uwe Feichtinger (SPÖ) in der Plenardebatte. Es handle sich einerseits um eine symbolische Forderung, sich auf jeder Ebene zur Erreichung des 1,5-Grad-Ziels des Pariser Klimaabkommens einzusetzen.
Andererseits beinhalte der Antrag auch konkrete Handlungsaufforderungen, wie nach einer Nachbesserung des Nationalen Energieplans oder einer umfassenden Information der Öffentlichkeit. Für Johannes Schmuckenschlager (ÖVP) ist die Klimaveränderung bereits weltweit erkennbar und würde sich auch in Österreich – z.B. durch Ernteausfälle – immer
deutlicher zeigen, weshalb die Ausrufung des „Klimanotfalls“ wichtig sei.
Michael Bernhard (NEOS) räumte ein, dass der Antrag zwar oberflächlich klingen mag, aber in seinem Kern revolutionär ist,
da sich die Politik dazu bekennt, dem Klimaschutz oberste Priorität einzuräumen. Sämtliche rechtlichen Schritte, die künftig unternommen werden, müssen nun dahingehend geprüft werden, ob und wie sie sich auf das Klima auswirken. Dies ist seiner Ansicht nach notwendig, um für die künftigen Generationen Verantwortung zu übernehmen.
Erfreut über die Initiative zeigte sich Martha Bißmann (o.F.), die einen optimistischen Blick auf die Entwicklungen im Klimaschutz warf. Die häufig noch von fossilen Rohstoffen abhängige Wirtschaft würde in Bezug auf den Klimaschutz mehr und mehr in die Gänge kommen. Ihrer Ansicht nach müssten diese Kräfte auch weiter mobilisiert und gefördert werden. An die künftige Regierung appellierte sie unter anderem, diese Entwicklungen zu koordinieren, den Klimaschutz institutionell zu verankern und einen öffentlichen Klimaausschuss einzusetzen.
FPÖ kritisiert „Climate Emergency“ Die beiden FPÖ-Abgeordneten Walter Rauch und Harald Stefan kritisierten die Ausrufung eines Klimanotstandes. Es dürfe keine „Klimahysterie“ betrieben werden, sondern vielmehr mit konkreten Maßnahmen gegen den Klimawandel vorgegangen
werden. So sei es wichtig, im Nahverkehr mehr Maßnahmen zu setzen, die Mineralölsteuer zweckzubinden oder die Mehrwertsteuer auf erneuerbare Energien zu senken, unterstrich Rauch. Maßnahmen wie eine CO2-Steuer oder die Abschaffung der Pendlerpauschale sind für ihn nicht zielführend. Stefan sieht hingegen die Ausrufung eines Notstandes aus
demokratiepolitischer Sicht problematisch. So könnten mit Berufung auf den Notstand demokratische Entscheidungen und die Rechtsstaatlichkeit ausgehebelt werden, befürchtet er. Der Umweltschutz müsse vorangetrieben werden, allerdings demokratisch und rechtsstaatlich sowie unter Berücksichtigung technischer Erkenntnisse.
Entschließungsanträge für Finanzierung des Green Climate Fund, zur Flächenversiegelung und gegen Atomkraftwerke Im Zuge der Debatte um den Antrag zum Klimanotstand wurden auch zwei Entschließungsanträge zur Finanzierung des Green Climate Fund eingebracht. Die gemeinsame Forderung von Bruno Rossmann (JETZT), Michael Bernhard (NEOS) und Klaus Uwe Feichtinger (SPÖ) zielt auf einen Beitrag Österreichs in der Höhe von 100 Mio. € zur Wiederauffüllung des Fonds für die Jahre 2020 bis 2023 ab. Stephanie Cox (JETZT) brachte den Antrag ein und betonte ausschließlich schriftlich in Form von Texttafeln die Wichtigkeit, den Worten Taten folgen zu lassen und einen angemessenen Beitrag Österreichs zum globalen Klimaschutz zu leisten. Eine ausreichende Unterstützung des Plenums fand die Forderung ebenso wenig wie eine ähnliche Initiative der ÖVP. Johannes Schmuckenschlager (ÖVP) fordert darin eine Evaluierung eines österreichischen Beitrags in der Höhe von 30 Mio. €. Zudem soll die Bundesregierung Möglichkeiten erarbeiten, um österreichische Mittel für die internationale Klimafinanzierung durch einen höheren Anteil privater Beiträge weiter zu erhöhen.

Die SPÖ fordert in einem weiteren Entschließungsantrag, dass eine beabsichtigte Versiegelung von Flächen, die im Eigentum oder Miteigentum der Republik sind bzw. vom Bund verwaltet werden, zuvor einem „Klimacheck“ unterzogen wird. Die Ergebnisse der Analyse sollen dann öffentlich zugänglich gemacht werden. Konkreter Anlassfall ist für die Antragstellerin Selma Yildirim (SPÖ) die mögliche Verbauung des Innsbrucker Hofgartens mit einem Busparkplatz.
Insbesondere in Städten leisten Grünflächen einen wichtigen Beitrag zum Klima und die Reduktion von Flächenversiegelungen trage zum Klimaschutz bei. Der Antrag erhielt keine mehrheitliche Zustimmung

Der Klima-Notstand hat mit den Notstandsgesetzen nichts zu tun.

Das Missverständnis

19. 11. 2019

von Felix Feistel
Foto: FloridaStock/Shutterstock.com

Link zum Artikel – Veröffentlicht in Rubikon

Der Begriff „Klimanotstand“ wird vielfach missverstanden. Durch seine semantische Überschneidung mit den „Notstandsgesetzen“ wird er oft als Beginn einer heraufdämmernden Weltdiktatur angesehen, die den Menschen unter dem Deckmantel des Klimawandels und der Ökokatastrophe untergeschoben werden soll. Dies ist jedoch nicht der Fall. Der Klimanotstand kann sogar zur Stärkung der Demokratie führen.

Im Laufe des Jahres 2019, als die Proteste der Fridays-For-Future-Bewegung, von Extinction Rebellion, Ende Gelände und vielen anderen an Fahrt aufnahmen, tauchte sehr schnell der Begriff des Klimanotstandes auf. Dieser sollte erklärt werden, um auf dessen Grundlage schnelle und effektive Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ermöglichen. Wie zu erwarten, folgte die Kritik an diesem Begriff auf dem Fuße.

So erklärten viele derjenigen, welche die Proteste eher skeptisch betrachten, der Klimanotstand erinnere sie an die Notstandsgesetze der frühen 1930er Jahre, mit dem die Nationalsozialisten sich mehr und mehr Macht gesichert und die Opposition unschädlich gemacht haben. Sie wittern einen totalitären Staat, der unter dem Deckmantel des Klimawandels installiert wird, um die Mehrheit der Bevölkerung zu unterdrücken. Diese Befürchtung entbehrt jeglicher Grundlage.

Der Begriff „Klimanotstand“ ist eine, zugegebenermaßen etwas holprige Übersetzung des englischen Begriffes „climate emergency“. Emergency ist dabei eigentlich mehr ein Notfall, beispielsweise ein Unfall, zu dem die Rettungssanitäter ausrücken müssen, oder ein brennendes Haus, das so schnell wie möglich gelöscht werden muss.

Der Duden beschreibt einen Notfall als eine „Situation, in der dringend Hilfe benötigt wird“. In einer solchen Situation steckt die Menschheit insgesamt, wenn man sich die alarmierenden Berichte der Wissenschaftler angesichts des Klimawandels ansieht. In dieser Notlage ist es jedoch wenig hilfreich, in offensichtlicher Unkenntnis ihres Inhaltes, über die verwendeten Begrifflichkeiten zu debattieren. Schließlich diskutieren die Bewohner eines brennenden Hauses auch nicht darüber, ob es nun sinnvoll ist, die Lage einen „Notfall“ zu nennen oder einen Notstand.

Emergency wurde wohl deshalb mit „Notstand“ übersetzt, weil der „Notfall“ alleine noch keinerlei Handlungsspielräume eröffnet. Erst die Erklärung des „Notstandes“ auf Grundlage des Notfalls bietet einen Ansatz, auf dessen Basis aktiv Maßnahmen ergriffen werden können. Der Klimanotstand alleine hat noch keinerlei Rechtswirkung. Er ist zunächst nur ein symbolischer Akt und als solcher erst einmal wirkungslos. Doch er kann die Grundlage für weitere Handlungen und Entscheidungen sein. Dass diese zur Stärkung der Demokratie führen können und nicht notwendigerweise mit autoritären Zwangsmaßnahmen verbunden sein müssen, zeigt das Beispiel der hessischen Stadt Marburg.

Dort war es lokalen Aktivisten im Juni 2019 gelungen, einen Entwurf für den Klimanotstand in das Stadtparlament einzubringen. Dieser Entwurf sah vor, dass bei jeder Entscheidung der Stadt das 1,5 °C Ziel des Pariser Klimaabkommens mitbedacht werden muss, und dass keine Entscheidung gefällt werden darf, welche dieses Ziel erschwert. Neben einigen anderen Punkten sieht der Entwurf auch eine breite Bürgerbeteiligung vor, sodass die Zivilbevölkerung in den Prozess mit einbezogen werden soll, die Stadt bis zum Jahre 2030 emissionsneutral zu machen. Der Entwurf wurde von einer Mehrheit der Stadtverordneten ohne weitere Veränderungen angenommen.

Im Herbst dieses Jahres, also nach erstaunlich kurzer Vorbereitungszeit, begann der Prozess der Bürgerbeteiligung. In einer Reihe von Veranstaltungen, die wechselseitig teilweise Freiwillige, teilweise die Stadt selbst organisiert, soll ein Aktionsplan in enger Kooperation zwischen Stadt und Zivilbevölkerung entstehen. Hier können alle Menschen ihre Ideen und Vorstellungen für eine klimaneutrale und ökologische Stadt einbringen.

Auf diese Weise sollen Ideen entstehen und Denkräume eröffnet werden, die sich auch von den Gegebenheiten des Status Quo lösen. Niemand soll sich lediglich an dem orientieren, was momentan politisch machbar ist oder was die Logik des herrschenden Systems vorschreibt.

Im Gegenteil soll die Möglichkeit eröffnet werden, die grundlegende Einstellung der Gesellschaft zu hinterfragen, ganz nach dem Einstein zugeschriebenen Zitat, dass man Probleme niemals mit derselben Denkweise lösen kann, durch die sie entstanden sind.

Dies ist ein sehr offener Prozess mit ungewissem Ausgang, aber es ist ein Schritt in Richtung lebendiger Demokratie. Voraussetzung für das Gelingen ist jedoch, dass die Stadt tatsächlich am Ende die Vorschläge und Ideen der Zivilbevölkerung berücksichtigt und sich durch diesen Prozess nicht nur einen Anstrich von Bürgernähe geben will. Um das zu verhindern, halten jedoch lokale Aktivisten den Druck aufrecht. Auch wird eine Zivilbevölkerung, die sich in den Prozess eingebracht hat, darauf bestehen, dass ihre Ideen auch etwas zählen.

Natürlich kann eine Stadt alleine nicht die weltweite Ökokatastrophe lösen. Aber sie kann, wenn sie den Klimanotstand richtig umsetzt, ein Beispiel für andere Städte und Länder sein. Fest steht, dass wir uns in einer Situation befinden, der die Menschheit nie zuvor gegenübergestanden hat. Für die Lösung der Klimakrise und der ökologischen Katastrophe gibt es kein Patentrezept. Man kann lediglich Lösungswege ausprobieren, mit verschiedenen Ansätzen experimentieren. Daher ist es alleine schon wert, den Versuch zu unternehmen. Was am Ende dabei herauskommt, ist aktuell noch nicht absehbar.

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Felix  Feistel

Felix Feistel, Jahrgang 1992, schreibt in vielfältiger Weise über die Idiotie dieser Welt und auch gegen diese an. In einer auf Zahlen und Daten reduzierten Welt, die ihm schon immer fremd war, sucht er nach Menschlichkeit und der Bedeutung des Lebens. Er versucht, seine Kräfte und Talente für die Gestaltung einer lebenswerten Welt einzusetzen, indem er sich gegen Ungerechtigkeit und Zerstörung wendet. Trotz des überall grassierenden Wahnsinns ist er nicht bereit, den Glauben an das Gute im Menschen und sein Potenzial, den Planeten in ein Paradies zu verwandeln, aufzugeben. Er ist Mitglied der Rubikon-Jugendredaktion und schreibt für die Kolumne „Junge Federn“.

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Gericht verhandelt zum ersten Mal gegen die verfehlte Klimapolitik der deutschen Bundesregierung

11.8.2019 Drei Landwirtsfamilien und Greenpeace reichten gemeinsam Klage ein

Berlin – Die Klimaklage dreier Bauernfamilien und der Umweltschutzorganisation Greenpeace gegen die Bundesregierung von Angela Merkel wird am 31. Oktober vor dem Berliner Verwaltungsgericht verhandelt. Es ist das erste Mal, dass ein Gericht in Deutschland über den mangelnden Klimaschutz der Regierung verhandelt. Die Kläger sehen durch die fortschreitende Erderhitzung und die unzureichenden Reaktionen der von Merkel geführten Bundesregierungen ihre Grundrechte verletzt. Sie drängen darauf, den deutschen CO2-Ausstoß bis 2020 mit entschlossenen Maßnahmen noch wie wiederholt zugesagt um 40 Prozent zu senken. Die Klägerfamilien leben in Brandenburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Lisa Göldner, Greenpeace Klimaexpertin meint: „Zum ersten Mal steht die verfehlte Klimapolitik von Angela Merkel vor Gericht. Endlich muss sich die Bundesregierung für ihr ständiges Vertagen von wirksamen Klimaschutzmaßnahmen verantworten. Die sogenannte Klimapolitik der Kanzlerin ist rücksichtslos, denn sie bedroht die Lebensgrundlage von Menschen in Deutschland und weltweit. Die Bundesregierung muss endlich Antworten auf die Klimakrise finden.“

Silke Backsen, Klimaklägerin von der Nordsee-Insel Pellworm, ist überzeugt, den richtigen Weg zu gehen: „Ich freue mich, dass sich die Bundesregierung bald vor Gericht für ihre katastrophale Klimapolitik verantworten muss. Als Inselbewohner erleben wir die Folgen der Klimakrise hautnah. Meldungen über das deutlich schnellere Abschmelzen der Pole zeigen uns, wie bedroht unser bisheriges Leben auf Pellworm ist. Meine vier Kinder sagten zum Verhandlungstermin heute früh: Das wurde auch mal Zeit!“

Dr. Roda Verheyen, Rechtsanwältin, sagt: „Der Termin der mündlichen Verhandlung ist für uns alle ein wichtiger Schritt. Auch das Gericht nimmt offenbar wahr, dass die Zeit drängt. Zum allerersten Mal in Deutschland wird eine Klage gegen die Bundesregierung auf mehr Klimaschutz verhandelt. Wir gehen zuversichtlich in diese nächste Etappe und werden uns intensiv auf die Verhandlung vorbereiten.“

Artikel Online geschalten von: / holler /

Klimaschäden durch Flugverkehr

IPCC Bericht: Mit Einbeziehung des RFI-Faktors verursacht der Flugverkehr 6 % bis zu 10 % des menschengemachten Treibhauseffektes!

RFI ist die Abkürzung für „Radiative Forcing Index“ und stellt den Versuch dar, die Klimawirkungen von Flugzeugen vollständig zu erfassen. Die „Erwärmungswirkung“ (englisch: „radiative forcing“) der Luftverkehrsemissionen auf das Weltklima hängt nämlich nicht allein von der Menge des ausgestoßenen Kohlendioxids ab, Flugzeuge verursachen daneben noch andere Treibhausgase, die noch dazu in besonders sensiblen Schichten der Erdatmosphäre ausgebracht werden: Stickoxide zum Beispiel oder auch Rußpartikel und Wasserdampf. 

Um die gesamten Klimaschäden durchs Fliegen abzuschätzen, werden deshalb die CO2-Emissionen mit dem RFI-Faktor multipliziert. Über die exakte Höhe dieses Faktors bestehen noch wissenschaftliche Unsicherheiten. Der Weltklimarat IPCC hat sich schon 1999 in einem Report ausführlich dazu geäußert und nannte einen Faktor von 2,7. Auf der Basis des 2007er IPCC-Berichts haben Prof. Hartmut Grassl (Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg) und Dietrich Brockhagen (atmosfair, Berlin) in einem Aufsatz einen RFI-Faktor von 1,9 bis 4,7 vorgeschlagen. Das Umweltbundesamt schreibt in einem „Leitfaden zur freiwilligen Kompensation von Treibhausgasen“ (S. 13):

„Bedeutsam für den RFI sind unter anderem die Emission von Stickoxiden und die Förderung vermehrter Wolkenbildung durch den Ausstoß von Rußpartikeln und Wasserdampf. Die Wirkung letzterer lässt sich allerdings bisher noch nicht mit der gleichen Sicherheit wie die anderen Effekte des Flugverkehrs bestimmen, weshalb der RFI nach derzeitigem Wissensstand nur als Spanne angegeben werden kann. Nach Schätzung des Umweltbundesamtes liegt er zwischen 3 und 5, das heißt, die Klimawirkung des Flugverkehrs ist mindestens 3-mal und höchstens 5-mal so groß wie die Wirkung des ausgestoßenen Kohlendioxids allein.“

Seriöse Angebote zur Klimakompensation von Flugreisen sollten deshalb stets einen RFI-Faktor berücksichtigen. Die meisten Fluggesellschaften hingegen ignorieren die erhöhte Klimaschädlichkeit. Sie betonen gern, dass auf den Luftverkehr nur rund zwei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes entfielen, womit sie implizieren, dass in anderen Wirtschaftsbereichen Klimaschutzmaßnahmen notwendiger und sinnvoller seien.

Der durch den Luftverkehr zu verantwortende Klimaschaden aber beträgt bei Berücksichtigung des RFI-Faktors sechs bis zehn Prozent des gesamten, menschengemachten Treibhauseffektes – Verursacher ist dabei ein sehr kleiner Teil der Weltbevölkerung.

Dieser Bericht ist ca. 10 Jahre alt. Seit damals veröffentlicht der IPCC Weltklimarat lt. google keine Informationen mehr um die extreme Klimaschädlichkeit des Flugverkehrs.

Warum? Die sehr nachdenkliche Antwort liefert google: IPCC Deutschland – Klick auf Impressum

IPCC-Deutschland, eine garantiert unabhängige Institution mit garantiert unabhängigen Gehaltszahlungen.

IPCC Weltklimarat

Neue Erkenntnisse

Der Weltklimarat fordert eine Kehrtwende bei der Landnutzung und warnt vor Hungerkrisen. Warum die intensive Tierhaltung und die Rodung von Wäldern so gefährlich sind.

Von Günter Marks, tagesschau.de

„Nach der Klimakatastrophe kommt die Hungerkrise“ – der Weltklimarat IPCC warnt eindrücklich vor den Folgen der globalen Erwärmung. In ihrem neuesten Bericht, der nun in Genf vorgestellt wurde, mahnen die Wissenschaftler ein radikales Umsteuern in der Landwirtschaft an. Der Agrarwirtschaft komme eine Schlüsselstellung zu. Landnutzung und Klimawandel seien aufs Engste verknüpft – vor allem bei der Produktion der Treibhausgase CO2, Methan und Lachgas.

Aus dem Bericht geht hervor, dass zwischen 2007 und 2016 die Nutzung von Land für 13 Prozent aller vom Menschen gemachten CO2-Emissionen verantwortlich ist, für 44 Prozent des Methan‐Ausstoßes und für 82 Prozent der Lachgasemissionen. Der Klimaforscher Alexander Popp vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) sagt im Gespräch mit tagesschau.de, dass die Landnutzung global gesehen etwa ein Viertel der vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen ausmache.

2019: Permafrost taut auf!

Mit dem Auftauen des Permafrostes ist ein Kipp-Punkt erreicht worden.

Entscheidung: 2019, ein Schicksalsjahr, wie 1919, 1939, 1989. 

Weiter so wie bisher, mit Vollgas in die Heißzeit, oder aufwachen und voll auf die Bremse! Für weitere Diskussionen ist es zu spät. Über die am Thermometer ablesbare Temperatur-Erhitzung weiter diskutieren wollen nur mehr Lobbyisten. Diese werden bezahlt dafür, es ist ein Milliardenmarkt.

Die Symtome sind unübersehbar: 32 Grad in Alaska! Arktische Wälder brennen! Meereis und Gletscher schmelzen! Permafrost taut auf! Tausende indische Bauern begehen bereits Dürre-Suizid!

Die Politik wird von sich aus so weitermachen! FridaysForFuture und der Ausruf „Klimanotstand“ wecken auf!

Die bereits ausgelöste „friedliche Revolution von unten“ wird eine kritische Masse (ebenfalls ein Kipp-Punkt) der Zivilgesellschaft zum Handeln bewegen: Von der Politik die Einhaltung der UN-Pariser Klimaschutz-Ziele einzufordern!

Der Ruf nach mehr Klimaschutz ist mittlerweile zu einer Partei-übergreifenden Forderung geworden! Die Klimakatastrophe betrifft uns alle, es gibt keinen 2. Planeten!