Süddeutsche Zeitung Keeling Kurve

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Der letzte Artikel über die Keeling Kurve wurde am 17. Mai 2010 veröffentlicht.

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SZ, am 17. Mai 2010, 21:11 Uhr     Von Christopher Schrader

Klimawandel: Eine Kurve verändert die Welt

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Es ist der wichtigste Datensatz der Umweltforschung im 20. Jahrhundert:

Seit 50 Jahren zeichnen Geräte auf Hawaii den Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre auf. Die Messreihe ist das Lebenswerk von Charles Keeling.

Vom tropischen Zauber der Insel Hawaii ist auf dem Gipfel des Mauna Loa wenig zu spüren. In 3400 Metern Höhe stehen an der Nordflanke des Berges einige schmucklose Gebäude. Sie schützen Forscher und Instrumente einer meteorologischen Station vor der Witterung.

Der Mouna Loa auf Hawaii. Die Spitze des Vulkans schirmt das „Mauna Loa Observatory“ ab.

Hier oben kann es im Februar sowohl minus 17 Grad Celsius wie plus 27 Grad haben. Bisweilen pfeift starker Wind über das kahle Plateau, aber meistens säuselt er nur, wenn er von Süden kommt, wo die Spitze des Vulkans die Station abschirmt. Immerhin, der Blick ist phantastisch, weil das „Mauna Loa Observatory“ häufig über den Wolken liegt – und vor allem: Die Luft ist klar.

Das ist auch der Grund, warum hier seit genau fünfzig Jahren Messgeräte verfolgen, wie viel von dem Treibhausgas Kohlendioxid die Atmosphäre enthält. Sie sind im „Keeling Building“ installiert, benannt nach dem Initiator der außergewöhnlichen Messreihe, dem Chemiker Charles David Keeling von der Scripps Institution of Oceanography in La Jolla, einem Vorort von San Diego in Kalifornien.

Neben der Tür ist die Messkurve auf einer Bronzetafel eingraviert. Sie zeigt den unaufhaltsamen Anstieg der CO2-Werte seit Beginn der Messungen 1958, überlagert vom jährlichen Ein- und Ausatmen der Natur: Von Mai bis Oktober sinken die Werte, wenn Bäume und andere Pflanzen auf der Nordhalbkugel Kohlendioxid verbrauchen, weil sie wachsen und neue Blätter bekommen.

Den Rest des Jahres steigen die Werte wieder: Einjährige Pflanzen sterben, Blätter fallen und verrotten und geben das CO2 frei. Und jedes Jahr erreicht die Kurve im Mai einen neuen Höhepunkt, weil die vielen Milliarden Menschen der Erde Kohlendioxid aus ihren Auspuffen und Schornsteinen geblasen haben.

Die drei wichtigsten Experimente

Weil dieser Verlauf den Einfluss von Natur und Menschheit auf die globale Umwelt dokumentiert, ist die Keeling-Kurve ein zentrales Symbol des Klimawandels.

„Die Messreihe belegt, dass die Menschheit ihre planetarische Unschuld verloren hat: Sie verändert die Erde“, sagt Hans Joachim Schellnhuber, Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. „Es war die richtige Messung zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle.“ Keeling ist daher oft als „Vater der Klimaforschung“ bezeichnet worden.

„Ohne seine Arbeit wäre unser Wissen über den Klimawandel heute um zehn bis 20 Jahre weniger weit fortgeschritten, als es ist“, zitiert die BBC Andrew Manning vom britischen Wetterservice Met Office. Seine amerikanischen Kollegen von der Wetterbehörde Noaa, die das Mauna-Loa-Observatorium betreibt, nennen Keelings Daten den „unbestreitbaren Grundstein der Klimaforschung“.

Forscher rechnen die Messkurve vom Mauna Loa zu den drei wichtigsten Experimenten der Wissenschaftsgeschichte. Als Keeling 2005 starb, zählte sie zum Beispiel sein letzter Chef Charles Kennel auf, der Direktor von Scripps: Tycho Brahe hatte im 16. Jahrhundert die Planetenbewegungen aufgezeichnet und damit den Grundstein für Newtons Gravitationstheorie gelegt.

Albert Michelsons Messung der Lichtgeschwindigkeit Ende des 19. Jahrhunderts diente Einstein als Fundament der Relativitätstheorie. Und Keelings Arbeit seit 1958 führte zum heutigen Wissen über das Klima. „Die Messungen sind der wichtigste Datensatz der Umweltforschung im 20. Jahrhundert“, sagte Kennel.

Von all dem war wenig zu ahnen, als Kollegen von Keeling am Morgen des 27.März 1958 die kontinuierliche Messung des CO2 in der Luft auf dem Mauna Loa starteten.

Keeling selbst hatte von seinem damaligen Chef keine Reisegenehmigung bekommen; er kam im November des Jahres zum ersten Mal nach Hawaii. Er hatte schon in den Jahren vor 1958 wichtige Vorarbeiten geleistet, die Apparatur zusammengestellt, vor allem für das Messprogramm gekämpft und Geld dafür besorgt.

Die Wissenschaft wusste damals wenig über das Treibhausgas. Zwar hatte der Schwede Svante Arrhenius 1895 die Rolle von CO2 in der Atmosphäre theoretisch erklärt, aber verlässliche Messungen gab es nicht. Vor allem wusste niemand, wo das freigesetzte Kohlendioxid blieb, wie viel davon das Meer aufnahm.

Ermittelte Werte schwankten und steckten voller Messfehler, wie Keeling bald zeigen sollte. Er war der Überzeugung, dass der CO2-Gehalt der Atmosphäre weit weniger variabel sei als die Experten seiner Zeit annahmen.

Eine repräsentative Messung an einem geeigneten Ort habe daher große Aussagekraft. Und es sei auch lohnend, den CO2-Gehalt kontinuierlich zu messen, statt mit Stichproben im Abstand von Jahren, wie es sein damaliger Chef eigentlich wollte. Die Kurve zeigte dann bald, und zeigt bis heute, dass etwa 57 Prozent des freigesetzten CO2 in der Luft verbleiben. Doch in den ersten beiden Tagen lieferte das Gerät kaum verlässliche Daten, erst vom 29.März 1958 an konnten die Wissenschaftler die Anzeige auswerten.

Die erste abgelesene Zahl hatte Keeling ziemlich genau vorhergesagt: 313 ppm (parts per million). Unter jeweils einer Million Luftmoleküle befanden sich 313 Moleküle Kohlendioxid, also weniger als ein Drittel Promille. Später machte Keeling einen kleinen systematischen Fehler am Gerät aus, sodass der Durchschnittswert für die letzten Märztage korrigiert wurde und nun als 315,71 ppm in den Annalen steht.

50 Jahre später, im Februar 2008, ist der Wert um 70 Punkte auf 385,76 ppm gestiegen. Aus vielerlei Messungen an Luftbläschen, die in Eis eingeschlossen waren, wissen Klimaforscher zudem inzwischen, dass vor der Industrialisierung viele tausend Jahre lang etwa 280 ppm Kohlendioxid in der Luft schwebten, 35 Punkte unter Keelings erster Messung.

Die Menschheit hat diesen Basiswert also in weniger als 300 Jahren um 37 Prozent gesteigert, weil sie in Industrie und Verkehr Kohle, Öl und Gas verbrennt. Zwei Drittel der Zunahme sind erst in den vergangenen 50 Jahren eingetreten.

Sorgen am Anfang

Die ersten Indizien dafür hatte Keeling schon nach zwei Jahren gesehen. 1960 veröffentlichte er in der skandinavischen Fachzeitschrift Tellus die ersten Daten vom Mauna Loa. Darin beschrieb er die beiden zentralen Eigenschaften der eben erst gestarteten Kurve: Zum einen den Anstieg von Jahr zu Jahr.

„Dafür hätten frühere Wissenschaftler mit ihren Methoden wohl ein halbes Jahrhundert gebraucht“, sagt Steve Ryan von der Wetterbehörde Noaa. Zum anderen die Variation über das Jahr hinweg. Keeling war davon überrascht.

Die April-Werte waren höher als die März-Zahlen, die Mai-Daten lagen noch darüber. Dann gab es Stromausfälle, sodass es für Juni 1958 überhaupt keine Resultate gab. „Als die Messung im Juli weiterging, waren die Ergebnisse unter die März-Werte gefallen“, schrieb Keeling in seiner Autobiographie. „Ich begann mir Sorgen zu machen, dass die
Daten hoffnungslos sprunghaft sein könnten.“

Keeling fürchtete wohl, dass er sich mit seinen Ideen zu weit aus dem Fenster gelehnt hatte. Doch dann begann sich der Zyklus im zweiten Jahr der Messungen zu wiederholen. Bald konnte der Forscher anhand von Vorstudien auch schlüssig erklären, was passierte – und warum die Schwankungen ihr Maximum im Mai erreichten. Pflanzen waren für den Effekt verantwortlich, wie Detailanalysen am aufgefangenen Kohlendioxid belegten.

Am Morgen des 27.März 1958 startete Charles Keeling die kontinuierliche Messung des CO2 in der Luft auf dem Mauna Loa.

Das stützte den plausiblen Gedanken, dass von diesem Monat an auf der gesamten Nordhalbkugel der CO2-Bedarf schlagartig zunahm, weil die Natur erwachte. Besonders in den ausgedehnten Wäldern von Sibirien und Kanada schlugen die Bäume aus.

Frühere Daten vom Treibhausgas hatten hingegen gezeigt, dass die Werte im Januar ihr Maximum erreichten. Keeling entlarvte das schnell als Fehler. Bodenmessungen erfassten oft CO2 aus Industriebetrieben, das unter einer winterlichen Inversionswetterlage hing.

Nur für acht Monate fehlen die Daten

Wenn sich dabei kältere Luftmassen über wärmere am Boden schieben, verteilt sich das lokal produzierte Kohlendioxid nicht mehr. Dieser Fehler konnte auf dem Mauna Loa, der über die pazifische Inversion hinausragte, nicht passieren. Zudem gab es keine Industrie weit und breit. Und die CO2-Ausdünstungen des Vulkans konnte man bei den Messungen leicht erkennen. Schon die Windrichtung zeigte, welche Daten in den Monatsdurchschnitt einfließen durften.

Nur für acht Monate während der 50 Jahre hat Keelings Apparatur keine Daten geliefert. Er hat sie immer wieder warten lassen und sich gegen eine Modernisierung der Geräte gesträubt.​​

Seit 1974 läuft darum parallel zu seinem Experiment ein Messprogramm der Wetterbehörde Noaa, für das heute Steve Ryan zuständig ist. Er beschreibt in einer Mischung aus Hochachtung und Frustration, wie Keeling seine Instrumente verteidigte.

„Er bestand darauf, den alten, anfälligen und relativ lauten Analysator zu behalten, der noch mit einer Vakuumröhre arbeitete. Er bestand darauf, dass die Daten per Hand von den Papierrollen übertragen wurden, wo Tintenschreiber die Messwerte aufgezeichnet hatten.“​

Doch Ralph Keeling verteidigt seinen Vater; auch er ist Professor am Scripps-Institut und hat die Leitung des CO2-Programms auf dem Mauna Loa übernommen. „Mein Vater hat gewusst, wie wichtig Kontinuität ist, wenn es um die Präzision einer Langzeitmessung geht.“​

Wer Komponenten austausche, müsse vorher mit altem und neuem Gerät aufwendige Doppelmessungen machen, um sicher zu gehen, dass die Daten zusammenpassen. „Außerdem hat er kurz vor seinem Tod noch selbst begonnen, die Apparatur umzurüsten. Es war keine Sturheit.“​

Keeling hatte einfach zu oft für den Fortgang seiner Messungen kämpfen müssen, um leichtfertig den Aufbau zu ändern. Besonders schwierig wurde es 1964, als der US-Kongress die Wetterbehörde zwang, Geld zu sparen.

Schnell wurde die von ihr finanzierte Stelle von Keelings Techniker auf Hawaii gestrichen. Drei Monate lang gab es keine Daten, bis die National Science Foundation Geld auftrieb.​

Später stand Keeling unter dem Druck, die als unwissenschaftlich betrachtete Langzeit-Beobachtung Regierungsstellen zu überlassen – und verteidigte seine Arbeit. Bis heute, sagt Ralph Keeling, muss sich das Scripps-Programm auf dem Markt der Forschungsförderung die Mittel zum Weitermachen besorgen.​

Erbfolge in der Wissenschaft

(Foto: SZ-Grafik, Quelle: Scripps Institution of Oceanography)​

Keeling Junior ist in den Job quasi hineingewachsen. Was sein Vater Wichtiges tat, wurde dem Sohn erst im Lauf der Zeit klar. Als er ungefähr zehn Jahre alt war, erinnert er sich heute, wusste er nur, dass sein Vater „irgendwas mit der Luft maß“.​

Darüber wunderte sich der Junge, der schließlich wusste, dass der Vater an einem ozeanografischen Institut arbeitete. Doch seinen Hang zur Wissenschaft nährten solche Rätsel, sodass er bald ein ähnliches Fach wie der Vater studierte.

Dann wagte er sich sogar an eine komplementäre Messung: die des Sauerstoffs in der Luft. Das verschlug ihn schließlich an das gleiche Institut wie seinen Vater; die Stelle habe er eher trotz als wegen der Verwandtschaft akzeptiert, sagt er. Und weil er nun dort war und etwas Ähnliches machte, übernahm er schließlich das CO2-Programm auf dem Mauna Loa, als sein Vater starb. Diese Erbfolge ist in der Wissenschaft eher selten.

Wie sein Vater wehrt sich Keeling gegen die Vorurteile über das reine Aufzeichnen von Daten aus der Umwelt. Wer nur Daten sammele, aber keine Experimente mache und keine Hypothesen teste, um Phänomene zu erklären, der betreibe keine Wissenschaft, sagen manche Kritiker. Sie wollen das Monitoring lieber Regierungsstellen überlassen.​

„Man kann die Forschung und den Betrieb der Apparatur nicht sauber trennen“, entgegnet Ralph Keeling dagegen jetzt in Science. „Bei den Mauna-Loa-Messungen hat es nie einen Punkt gegeben, von dem an die wissenschaftlichen Resultate abgenommen haben.“​

Keelings Kollege Euan Nisbet von der Universität London hat darum die Langzeit-Messung als das „Aschenputtel der Wissenschaft“ bezeichnet. Sie sei teuer und ungeliebt. „Glitzernde Preise bekommt man dafür nicht. Veröffentlichungen sind schwierig unterzubringen, erscheinen unregelmäßig und bleiben ungelesen“, schrieb er in Nature zum Jubiläum der Keeling-Kurve.​

Deren Namensgeber jedoch hat es wie im Märchen geschafft, große Erfolge zu erringen, viele Preise zu gewinnen und die Welt zu verändern.

Klimanotstand – Antrag Gemeinde Michaelerberg-Pruggern

Klimanotstand – an die Gemeinde Michaelerberg-Pruggern PDF

Sehr geehrte Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Gemeinderät*innen,

die Gemeinde Michaelerber-Pruggern wird als Mitgliedsgemeinde der Klima- und Energie-Modellregion Gröbming und der Klimawandel-Anpassungs-Modell-Region (KLAR) aufgefordert, einen Bericht vorzulegen, wie die folgenden Maßnahmen zu ergreifen sind, bzw. welche Maßnahmen für eine Umsetzung des Antrages vorzunehmen sind:

  1. Der Gemeinderat ruft analog zu Ländern bzw. nahen Städten wie Basel und Konstanz in der Gemeinde Michaelerberg-Pruggern den «Klimanotstand» aus.
  2. Der Gemeinderat erarbeitet eine Strategie und setzt diese um, welche die Senkung der C02-Nettoemmissionen auf dem Gemeindegebiet auf null bis 2030 anstrebt und diese bis spätestens 2050 erreicht. Dabei werden sowohl Emissionen von Produktion wie auch von Verbrauch berücksichtigt.
  3. Der Gemeinderat setzt sich auf Bezirks- und Landesebene und im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit dafür ein, dass die Grundlagen und Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, um das Ziel der Senkung der C02-Nettoemmissionen auf null bis 2050 für ganz Österreich zu erreichen.
  4. Der Gemeinderat arbeitet mit Einrichtungen wie Klima- und Energie-Modellregion und KLAR zusammen, um Maßnahmen zu finden und umzusetzen, welche die zukünftige globale Erwärmung auf unter 1.5°C im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzen.

Begründung: Der neuste IPCC Bericht zeigt wissenschaftlich und mit aller Klarheit auf, dass wir uns mitten in einer menschengemachten Klimakrise befinden. Stadtregierungen und Kommunen rund um die Welt reagieren, indem sie den «Klimanotstand» ausrufen und in Ressourcen investieren, um dieser Krise angemessen begegnen zu können.

Der Begriff «Klimanotstand» ist symbolisch zu verstehen und soll keine juristische Grundlage für die Ableitung von Notstandsmaßnahmen sein.

Die Komplexität der Klimakrise erfordert Antworten und Lösungen auf allen Ebenen, also sowohl individuelle Verhaltensänderungen wie auch institutionelle Maßnahmen, die Einzelpersonen nur indirekt auslösen können.

Wenn wir jetzt nicht reagieren, wird es zu spät sein. Noch ist eine Reaktion möglich, viel Zeit bleibt uns aber nicht. Der IPCC Bericht enthält Szenarien, welche aufzeigen, wie die weltweite Klimaerwärmung auf 1.5°C im Vergleich zur vorindustriellen Zeitbeschränkt werden kann. Eine Erwärmung um 1.5°C im Vergleich zur vorindustriellen Zeit bis 2050 wird von den Expert*nnen als Grenze definiert, welche «nur» Konsequenzen nach sich zieht, welche noch als bewältigbar oder umkehrbar gelten.

Ganz Österreich und insbesondere die Seitentäler der Schladminger, Rottenmanner und Wölzer Tauern sind weit überdurchschnittlich von Gefahren durch Extremwetterlagen betroffen. Die Bevölkerung ist hier im besonderen Masse gefordert, beispielhafte Akzente zu setzen.

Regional geht es um den Erhalt des Mikroklimas, welches in Zusammenwirken der mit der Klimaerhitzung Katastrophen auslösen können.

National und international geht es um die Reduktion von Treibhausgasen. Dem besonders betroffenen Enns- und Murtal kommt dabei eine besondere Verantwortung bei der Bewältigung der existierenden und sich verschärfenden Klimakrise, mit ihren vielfältigen negativen Auswirkungen zu.

Als wichtiger Tourismusstandort kann und muss er Anreize für die Entwicklung von Lösungen, Geschäftsfeldern und Innovationen schaffen, welche als Ganzes eine tragfähige Klimastrategie bilden.

Die Gemeinde Michaelerberg-Pruggern soll regional und als Klimaschutz-Beispiel dienend überregional vorangehen und weitere Gemeinden und Bezirke durch konkretes Handeln motivieren, ihre eigenen Ressourcen für die Bewältigung der Klimakrise einzusetzen.

Begründung der Dringlichkeit:

Wie der IPCC-Bericht zeigt, erfordert die aktuelle Situation schnellstes Handeln. Denn je länger die Bewältigung der Klimakrise herausgeschoben und verzögert wird, desto schwieriger wird es, die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen.

Die Erfolgs-Idee „Klimanotstand“

Über den verbreiteten Begriff „Klimanotstand“ – „Climate emergency“ wird einer kritischen Masse der Zivilgesellschaft die Dramatik der Klimaerhitzung bewusst.

Planet Erde im Klimanotstand – Hintergründe – Vorgangsweise – Beweis Keeling-Kurve  415 ppm CO2 

UN-Generalsekretär Guterres in seiner Neujahrsansprache: Alarmstufe rot für die Welt!

Wir stehen am Beginn der Heißzeit! Juni und Juli 2019 sind die heißesten Monate in der menschlichen Zeitepoche. Hitze-Rekorde weltweit!  28.000 Wissenschaftler stellen sich hinter die Forderungen der für mehr Klimaschutz streikenden Schüler von fridaysforfuture. Die Jungen haben recht!​

Die Idee zur Ausrufung eines Klimanotstandes stammt von Adrian Whitehead, er ist ein australischer Biologe. ​​

Nachfolgend das System von Whiteheads Idee, erläutert von Ernst Walter Schrempf, kommunaler Klimaschutzbeauftragter, Berater auf Einladung des Ministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus (A), Referent an der Europäische Akademie (D, I) R20 Austrian World Summit (A) Greta Thunberg.  > Schloss Thannegg – Academy.

Whitehead ist überzeugt, dass eine Ausrufung des Klimanotstandes durch öffentliche Institutionen den Bürger*innen zeigt, dass es sich bei der weltweiten Klimakatastrophe tatsächlich um einen akuten Notfall für die Menschheit handelt!​

Schwere Kritik am Begriff „Notstand“ kommt dagegen von Wirtschaftsvertretern/Politikern: Was soll das, „Notstand“, diesen Begriff hat es doch nur im Krieg gegeben! 

Die Antwort an die Kritiker liefert bereits im Jahr 1985 der Schriftsteller Michael Ende: (Momo)​

Wir befinden uns bereits mitten im 3. Weltkrieg! Es ist nicht ein regionaler Krieg, sondern es ist der kaum beachtete Krieg mit der Zeit! Es ist der erbarmungslose Krieg gegen unsere Kinder und Enkel! Wir verbauen und verseuchen ihnen die besten Ackerflächen, vergiften ihnen das Wasser und verpesten ihnen die Luft. Unsere Politik wird so weitermachen, denn unsere Kinder und Enkel können sich nicht wehren!​

Wirkung auf die Politik: Whiteheads Idee wirkt, die Dramatik des Wortes „Klimanotstand“ weckt die Menschen auf. Die sensibilisierte Zivilgesellschaft widmet sich auf Grund der Medienpräsenz  zunehmend dem Klima-Thema. Nach Hochrechnungen wird 2019 eine kritische Masse in der Zivilgesellschaft den tatsächlichen Ernst der Lage erkennen. Die Folge ist eine zunehmende Verhaltensänderung. Die EU-Wahlergebnisse kündigen dies bereits an.​

Klimanotstand ist bitterste Realität: Die exponentiell ansteigende Klimaerhitzung führt ohne drastische Gegenmaßnahmen unweigerlich zum Kollaps von Wirtschafts- und Versorgungssystemen. Die Klimaerhitzung ist seit 1972 wissenschaftlich belegt, (Club of Rome) jedem Politiker der Welt bekannt und seit 30 Jahren massiv angeprangert durch die UN. Trotz der Symptome jährlich zunehmender, in manchen Teilen der Welt bereits apokalyptischer Katastrophen, Hungersnöte, Kriege und Völkerwanderungen, erfolgt von westlich geprägten Regierungen eine unzureichende Bekämpfung der Ursachen! Das selbe gilt für das gleichzeitig stattfindende, seit Millionen von Jahren beispiellose Artensterben.​

Warum wird von der Politik nicht in ausreichender Weise gegengesteuert?
Weil in unseren westlichen Demokratien, mit den auf Lobbyismus basierenden „demokratischen“ Entscheidungsfindungen, der Politik weitgehend „die Hände gebunden“ sind. (In Brüssel arbeiten 25.000 Lobbyisten) Diese „demokratischen“ Regeln im Gesetzgebungsverfahren haben seit über 30 Jahren wirksame Klima- und Artenschutz-Maßnahmen verhindert. Eine grundsätzliche Änderung dieses politischen Handelns, speziell in den Fossil-Energiebereichen, ist in diesem Systemen (noch) nicht vorgesehen.

Wahlen: Seit Jahrzehnten konnten auch Wahlen nur wenig bewirken, da diese an den realen Machtverhältnissen nichts verändern. Die EU-Wahl mit dem Erstarken ökologischer Einflüsse weckt einen Hoffnungsschimmer.
In Frankreich haben nun viele Bürger*innen entdeckt, dass ihre politischen Vertreter nicht sie, das Volk vertreten, sondern einzig das „Establishment“ im Hintergrund. Zur Verteidigung dieser Macht-Interessen werden von der Politik systemkritische zivile Strukturen bekämpft und das Volk unterdrückt. Schlimmster Terror ist den Mächtigen dienlich, da ein Volk im Chaos durch staatliche Gewalt leichter zu kontrollieren ist. Eine erfolgreiche Einflussnahme der Zivilgesellschaft zur Erreichung der UN-Klimaschutz-Ziele ist deshalb ausschließlich nur auf friedlichem Wege möglich.​

Klimaschutzbewegung FridaysForFuture: Die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg prangert die jahrelange Handlungsunfähigkeit der Regierungen an und löst weltweit die unaufhaltbare Lawine der Schülerproteste aus. 28.000 Wissenschaftler, (scientists4future) dazu Bürger*innen aller Altersgruppen und mit größter Wirkung, die mittlerweile Klima-fachkundigeren Medien, stellen sich hinter die streikenden Schüler. Das Thema Klimaschutz und das mögliche Gegensteuern erhitzt die Gemüter, die an die Wand gedrängte konservative Politik versucht weiterhin abzuwiegeln. Diese in Klima- und Umweltschutzbereichen jahrzehntelange Versagen der Regierungen stellt mittlerweile nicht nur eine unberechenbare Gefahr für die Bevölkerung dar, sondern gilt bereits als akute Gefahr für den Fortbestand der Demokratie.​

System Klimanotstand: Die von FridaysforFuture und Parteienvertretern eingeleitete Ausrufung des Klimanotstandes „unterstützt“ die Politik, die Umsetzung der völkerrechtlich verbindliche UN Pariser Klimaschutz-Vereinbarung in regionale/nationale Gesetze zu gießen. Der „Klimanotstand“ ermöglicht ein friedliches „Überdenken“ bisheriger Klimaschutzmaßnahmen-verhindernder „demokratischer Regeln“, Verordnungen und Gesetze. Es entsteht die zum Gegensteuern notwendige Systemänderung, jedoch exakt begrenzt auf die Klimaschutz-Bereiche.

Handlungsfähige Politik: Über den symbolischen Status „Klimanotstand“ kann die Politik „ohne Gesichtsverlust“ frühere Beschlüsse, Verordnungen und Gesetze, (Flughafenausbauten, Autobahnen) welche den völkerrechtlich verbindlichen UN-Pariser CO2-Emissions-Zielen entgegenstehen, aufheben. Die freien Budgetmittel können in klimaverträgliche Projekte umgeleitet werden. Die vom Volk „demokratisch“ gewählten Regierungen, welche in anderen Bereichen höchst geschätzt sind und welche die Zivilgesellschaft für ein friedliches Zusammenleben unbedingt benötigt, werden dabei gestärkt.

Kontrolle – Umsetzung: Die Aufträge von der Zivilgesellschaft an die Politik sind von der UN beschlossen,  wissenschaftlich belegt, mess- und zeitnah kontrollierbar.

Klimaschutz-Experten und vor allem „alle“ Politiker wissen, dass die Pariser Klimaschutz-Ziele nur ein unzureichender Kompromiss sind, sie sind der kleinste in den Verhandlungen erreichbare Nenner, es wären viel schneller wirksame Maßnahmen notwendig!

Fact – Erfolg – Misserfolg: An einer CO2 Steuer mit sozialem Ausgleich führt nach Fachleuten kein Weg mehr vorbei! Siehe langjährige Erfolge in CH und Schweden. Macron, als direkter Vertreter des Establishments, hat eine CO2 Steuer ohne sozialen Ausgleich versucht. > Volksaufstand!​

Politologen mahnen: Bei der im Bereich Klima zunehmend aufgeklärten Bevölkerung (Keeling Kurve, siehe Diagramme) birgt eine weitere Verzögerung die große Gefahr, dass der Regierung (Parteien) generell die Handlungsfähigkeit abgesprochen wird. Dann wird die Durchsetzung der UN-Vorgaben über den unkontrollierbaren Weg einer generellen Systemänderung versucht werden: „System Change not Climate Change“

Historie – Zukunft: Noch im Jahr 2019 wird auf Grund zunehmender Aufklärung eine kritische Masse der Zivilgesellschaft realisieren, dass es nicht mehr um Phrasen wie den „Erhalt des Wohlstandes“, sondern um das „Überleben jedes Einzelnen“ geht. Viele der jungen streikenden Schüler können diese Dimensionen noch gar nicht erfassen, nur aus diesem Grund sind sie noch nicht wütend (zornig) genug!
In die Enge getrieben bilden werden sie sich schneller bilden als die Alten. Anthropologisch betrachtet ist es neu, dass Wissen von Jung auf Alt übertragen wird. Bislang war das stets umgekehrt. Die Blockaden sitzen also tief, sie werden aber geknackt werden!

Frei nach Greta Thunberg: Politiker, geratet in Panik! Unsere Erde brennt, handelt schnell! Später ist zu spät!​

Warum sollen WIR Europäer etwas tun? Die Chinesen, Inder, Amerikaner bauen weiter Kohlekraftwerke, die ganze EU hat nur 10% Anteil an den Welt-CO2 Emissionen, Deutschland nur ca. 2,5%?

Weil sonst in Europa der Anschluss an die innovative Zukunftstechnik der Welt komplett verloren geht. Weil nachhaltige Zukunftstechniken der Wirtschaft einen Anstoß zu Milliarden-Investitionen liefern, weil dadurch für die Gesellschaft soziale Ausgewogenheit erzeugt wird.

Weil Klima-schützendes Handeln für das Überleben der Kinder und Enkel weltweit absolut unverzichtbar ist! ​

1. Klimanotstand-Gemeinde

Mit einem „symbolträchtigen Akt“ lässt die kleine österreichische Gemeinde Michaelerberg-Pruggern aufhorchen. Auf Initiative des kommunalen Klimaschutzbeauftragten und „Enkelschutz-Lobbyisten“ Ernst Walter Schrempf, hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen, den Klimanotstand auszurufen.

Der durch den umstrittenen Begriff „Notstand“ ausgelöste Medienhype hat das Thema Klima-Erhitzung an die Stammtische gebracht. Das Ziel, die Bevölkerung auf die Klima-Katastrophe aufmerksam zu machen, und dadurch doe fossile Politik zu beeinflussen, wird dadurch erreicht.

https://www.kleinezeitung.at/steiermark/ennstal/5643910/Als-erste-Gemeinde-Oesterreichs_MichaelerbergPruggern-hat-den

Warum der Klimanotstand ausgerufen wird

Die Anworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Klimanotstand. (Zeitungsbericht Kurier)

https://kurier.at/chronik/oesterreich/warum-der-klimanotstand-ausgerufen-wird/400533487

Was ist der Klimanotstand?

Der Klimanotstand ist ein symbolischer Akt. Politiker setzen damit ein Zeichen, dass sie die Klimakrise ernst nehmen und Maßnahmen setzen wollen, die dem sogenannten 1,5 Grad-Ziel entsprechen. Diese Marke wurde im Pariser Klimaschutzabkommen beschlossen. Sie besagt, dass sich die Erde nicht um mehr als 1,5 Grad Celsius erwärmen soll. Dazu ist eine massive Dezimierung des CO2-Ausstoßes notwendig.

Das ist eine friedliche Revolution von unten, um die Politik zur Einhaltung der Klimaziele zu bewegen.

Ernst-Walter Schrempf | Initiator Klimanotstand in Michaelerberg-Pruggern

https://kurier.at/chronik/oesterreich/warum-der-klimanotstand-ausgerufen-wird/400533487